Rückblick: NPRG Podiumsdiskussion «Medienlandschaft Basel, wie weiter?»

04.11.2019

Rückblick

NPRG-Podiumsdiskussion, 30.10.19, Novartis Campus

«Medienlandschaft Basel, wie weiter?»

Die Nordwestschweizerische Public Relations Gesellschaft (NPRG) veranstaltete am 30. Oktober 2019 eine Podiumsdiskussion zum Thema «Medienlandschaft Basel, wie weiter?». Als Vertreter der Print- und Online-Branche waren die Basler Zeitung sowie die bz Basel zugegen. Die ausschliesslich auf Online setzenden Medien waren durch Prime News und Bajour vertreten. Der Anlass fand auf dem Novartis Campus in Basel statt.

Einst waren Tageszeitungen die wichtigste Quelle für regionale Informationen. Auch im Werbe- und Anzeigenmarkt führte kein Weg an den regionalen Medienerzeugnissen vorbei. Mit der Digitalisierung ging diese Vormachtstellung verloren. Die etablierten Medienhäuser stehen unter Druck und müssen sich ihren Platz in der neuen Online-Welt erkämpfen. Das Jahrbuch zur Qualität der Medien, herausgegeben vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich, sieht weitere Problematiken in der weit verbreiteten News-Depriviertheit (über 50% bei der jungen Generation) und im Glaubwürdigkeitsparadox, das mit dem Aufkommen von Social Media entstanden sei: Obwohl Social Media gemäss Studie eigentlich wenig Glaubwürdigkeit zugeschrieben werde, bewerteten User gleichzeitig die Quelle einer dort gefundenen Information als eher nebensächlich; die Anfälligkeit für populistische Inhalte steige somit.

Die Vorzeichen, unter denen die Medienhäuser ihre Arbeit zu verrichten haben, sind damit komplett verändert. Wie sieht ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell für regionalen Journalismus aus, das diese Zeichen richtig deutet? Mit dieser Frage konfrontierte Regula Ruetz, NPRG Präsidentin und Moderatorin des Abends, die Podiumsteilnehmer.

Für Matthias Zehnder, Publizist und Mitinitiant von Bajour, hat nicht der Journalismus an sich ein Problem. Das Interesse an gut gemachten journalistischen Inhalten sei nach wie vor vorhanden. Grosse Herausforderung sei die Finanzierung. Die grossen Tech-Firmen schöpften den Werbemarkt zu Ungunsten der Verlagshäuser ab. Beispielsweise machte Facebook mit Werbeeinnahmen im dritten Quartal 2019 sechs Milliarden Dollar Gewinn – und dies bei einem Umsatz von 17.7 Milliarden Dollar, was einer Gewinnmarge von 34% entspricht. Mit der kostenlosen Bereitstellung von Inhalten habe man die Leser zudem daran gewöhnt, dass journalistische Leistungen gratis zu haben seien.

Patrick Marcolli, Chefredaktor der bz Basel, sieht eine weitere Schwierigkeit auf der Empfängerseite: Der Wissenskanon sei verloren gegangen – vor allem bei den Jungen. Es sei schwierig, die Interessen der Leser zu ergründen und im Anschluss zu bedienen. Mit guten regionalen Geschichten – und diese seien ja das Kerngeschäft einer Lokalzeitung – erreiche man nach wie vor Leser. Die Flughöhe habe allerdings zugenommen. Noch vor nicht einmal 15 Jahren wurde mit einem Heer von freien Mitarbeitern aus jeder erdenklichen Versammlung berichtet. Mit weniger Personal und weniger zahlenden Lesern sei nun die Herausforderung, aus einer kleinräumigen Geschichte die Relevanz für die Region zu destillieren, um damit eine breite Leserschaft zu erreichen.

Für Markus Wüest, stellvertretender Chefredaktor der Basler Zeitung, ist es wichtig, dass das Geschehen in unserer Region von mehreren Publikationen bearbeitet werde. Dies sei ein Schutzmechanismus gegen die Selbstzufriedenheit. Der aus ökonomischen Gründen zu zahlende Preis hierfür sei wohl aber eine Flurbereinigung auf Verlegerseite – und daraus resultiere ein Einheitsbrei bei der nationalen Berichterstattung durch vorkonfektionierte Mantelinhalte aus den Mutterhäusern. Wüest sieht sich auch in einem Zwiespalt zwischen online first und print first. Der Print solle noch irgendwie am Leben erhalten werden – denn immerhin seien auf diesem Wege jene Leser zu bedienen, die jährlich 550 Franken für ein Abonnement auszugeben bereit seien und damit die redaktionelle Arbeit finanzierten. Gleichzeitig aber werde von ihm gefordert, dass er online vorwärts mache. Dieser Spagat sei unmöglich zu vollführen, zu unterschiedlich seien die Voraussetzungen der beiden Medien. Das eine könne nicht aus den Restprodukten des anderen hergestellt werden.

Christian Keller, Chefredaktor von Prime News, fühlt sich gerade deshalb befreit, weil er keine bestehende Leserschaft zu bedienen habe. Die Finanzierungsproblematik betreffe ihn aber natürlich gleichermassen. Die grossen Verlage seien in dieser Frage lange Zeit überheblich gewesen. Man müsse sich kompetitiv zeigen, neue Formate entwickeln und mit diesen aktiv auf die Werbekunden zugehen. Zudem sei ein geschärftes Profil wichtig, damit der Werbekunde wisse, welche Zielgruppe er mit einem Inserat ansprechen könne. Der Fokus von Prime News sei deswegen ganz klar regional. Damit könne man das in der Region durchaus vorhandene Potenzial gezielt abschöpfen. Grundsätzlich kritisierte er die Erwartung, dass der Medienmarkt einfach funktioniere. Dem sei nicht so. Das harte Sperren von Inhalten – wie es die Digitale Allianz der grossen Verlagshäuser initiiert hat – halte er für den richtigen Weg. Das rege die Menschen zum Nachdenken an und damit sei für die Zukunft der Medienlandschaft schon mal etwas gewonnen.

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