NPRG Interview mit Sandra Ziegler
«Regionale Medien leisten einen wichtigen Beitrag zur Medienvielfalt»
Die NPRG war am 17. März 2026 auf Einladung von CEO Sandra Ziegler beim Nordwestschweizer Regionalfernsehen Telebasel zu Gast. Im Rahmen des Besuchs sprach NPRG-Co-Präsident Satoshi Sugimoto mit ihr über die strategische Neuausrichtung des Senders, neue Distributionsmodelle sowie die Rolle von Bewegtbild in einer fragmentierten und sich rasant wandelnden Medienwelt.
Du bist seit kurzer Zeit CEO von Telebasel. Was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt und mit welchen Prioritäten bist du gestartet?
Gereizt hat mich an dieser Funktion vor allem der klare regionale Bezug und der Takt, der durch die News und die News-Redaktion vorgegeben ist. Ein dritter Punkt war sicher auch das Medium Video, das es uns erlaubt, Emotionen viel direkter zu transportieren, als das im klassischen Textjournalismus möglich ist, mit dem ich zuvor zu tun hatte.
Was die Prioritäten betrifft: Der Stiftungsrat hat eine Strategie mit verschiedenen Schwerpunkten verabschiedet. Diese finde ich sehr spannend, und entlang dieser Strategie haben wir begonnen, verschiedene Handlungsfelder zu bearbeiten. Dazu gehört beispielsweise die Digitalisierung von Prozessen und die Professionalisierung gewisser Dienstleistungen im Haus. Das waren zentrale Themen in den letzten Monaten.
Wird es unter deiner Leitung in nächster Zeit grössere Veränderungen bei Telebasel geben?
Es hat bereits Veränderungen gegeben. Ende Januar haben wir uns entschieden, uns konsequent auf Bewegtbild zu fokussieren. Deshalb haben wir die Textplattform eingestellt, um unsere Stärke als regionaler Anbieter im Bewegtbildjournalismus noch klarer auszuspielen.
Die Sehgewohnheiten verändern sich, digitale Plattformen und Soziale Medien werden immer wichtiger. Wie reagiert Telebasel darauf?
Mit der Reorganisation im Januar haben wir genau darauf reagiert. Wir haben beispielsweise die Telebasel-App lanciert, über die man Live-Events streamen kann und sämtliche Inhalte auch on demand anschauen kann.
Zudem haben wir ein Distributionsteam aufgebaut, das Inhalte aus verschiedenen Sendungen gezielt über unterschiedliche Kanäle verbreitet, Soziale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. Wir entwickeln auch neue Formate: kürzere, mittellange und längere Beiträge, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zuschauerinnen und Zuschauer besser abzudecken.
Ist das auch ein Ansatz, um jüngere Zielgruppen zu erreichen?
Ja, absolut. Vor allem über Soziale Medien und kurze Formate, etwa 90-Sekunden-Reels, wollen wir gezielt jüngere Zielgruppen ansprechen. Die Idee ist, dass sie über diese kurzen Inhalte einsteigen und sich dann vielleicht auch vertiefter mit einem Thema beschäftigen.
Viele regionale Medien stehen wirtschaftlich unter Druck. Wie ist die Situation bei Telebasel?
Das Umfeld ist für alle herausfordernd, da sind wir keine Ausnahme. Die Werbeeinnahmen sind rückläufig, das macht die Situation anspruchsvoll. Wir haben jedoch eine Konzession, die uns bis Ende 2034 eine gewisse Planungssicherheit gibt. Zusätzlich versuchen wir, über Kooperationen, neue Angebote und alternative Finanzierungswege den entstehenden Druck zu kompensieren.
Sind solche Kooperationen auch mit anderen Medienhäusern denkbar?
Ja, durchaus. Das kann in verschiedenen Bereichen stattfinden, etwa bei der Technologieentwicklung, beim inhaltlichen Austausch oder bei komplementären Kanälen.
Die SRG-Konzession muss demnächst erneuert werden. Wie siehst du die Aufgabenteilung zwischen SRG und regionalen Sendern?
Wir sind der Meinung, dass es aktuell ein Ungleichgewicht bei der Finanzierung gibt. Regionale Medien leisten einen wichtigen Beitrag zur Medienvielfalt, erhalten aber im Vergleich zur SRG deutlich weniger Mittel.
Wir würden uns wünschen, dass hier eine konstruktive Diskussion entsteht, auch gemeinsam mit der SRG, wie regionale Anbieter künftig stärker zur Vielfalt beitragen können und entsprechend berücksichtigt werden.
Ein weiteres Thema ist Fake News und Vertrauen in Medien. Welche Rolle kann ein regionaler Sender wie Telebasel hier spielen?
Ich glaube, das ist eine grosse Stärke regionaler Medien. Unsere Journalistinnen und Journalisten sind in der Region sichtbar und greifbar, man kennt sie. Diese Nähe schafft Vertrauen. Wenn wir konsequent unabhängigen und qualitativ guten Journalismus liefern, können wir auf dieser Ebene einen wichtigen Beitrag leisten.
Wo möchtest du Telebasel in drei bis fünf Jahren sehen?
In drei bis fünf Jahren sind wir auch digital so aufgestellt, dass wir die unterschiedlichen Bedürfnisse unseres Publikums umfassend abdecken können. Wir werden als fester Teil der Nordwestschweizer Community wahrgenommen, als verlässlicher Informations- und Serviceanbieter. Gleichzeitig stehen wir für Zusammenhalt, Demokratie und auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Region, basierend auf unabhängigen Inhalten.
Heute war die NPRG bei euch zu Gast. Hast du einen Wunsch an die Kommunikationsbranche in der Region?
Der Austausch funktioniert grundsätzlich gut. Wichtig ist, dass beide Seiten den Mehrwert dieser Zusammenarbeit verstehen, dann profitieren alle. Wir haben unsere Angebote zudem weiterentwickelt und diversifiziert. Das kann gerade für Kommunikationsverantwortliche interessant sein, sei es im Bereich Infrastruktur, News oder Zusammenarbeit. Es liegt in unserem Interesse, diesen Dialog weiter zu stärken.