NPRG Interview mit pr suisse Präsidentin Tanja Hollenstein
NPRG Co-Präsident Satoshi Sugimoto führte das Interview mit Tanja Hollenstein
«Wir dürfen als Branche selbstbewusster auftreten»
Vor Kurzem besuchte Tanja Hollenstein, die neue Präsidentin von pr suisse, die Nordwestschweizerische Public Relations Gesellschaft (NPRG) in Basel. Im Interview spricht sie über den tiefgreifenden Wandel des Kommunikationsberufs, die Chancen künstlicher Intelligenz, die Bedeutung der Nachwuchsförderung – und darüber, weshalb die PR-Branche selbstbewusster auftreten und ihren Beitrag stärker sichtbar machen sollte.
Tanja, was hat dich motiviert, das Präsidium von pr suisse zu übernehmen?
Wir befinden uns in einem unglaublich spannenden Moment. Digitalisierung, KI und Automatisierung verändern unsere Branche grundlegend – und darin liegen aus meiner Sicht grosse Chancen. Gleichzeitig hat sich bei pr suisse intern viel bewegt und es wurde eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung geschaffen.
Ich arbeite seit bald 30 Jahren in diesem Beruf und bin nach wie vor begeistert davon, was wir mit Kommunikation bewirken können. Mir ist wichtig, zur Anerkennung unseres Berufs beizutragen und seine Zukunft aktiv mitzugestalten.
Wo siehst du die grössten Herausforderungen für die PR-Branche?
Automatisierung und Digitalisierung sind Herausforderungen, aber vor allem auch Chancen. Wir müssen lernen, die neuen Tools richtig einzusetzen und uns kontinuierlich weiterbilden.
Eine grosse Herausforderung sehe ich beim Nachwuchs: Wie gewinnen wir junge Menschen für unseren Beruf und wie vermitteln wir ihnen das notwendige Know-how? Gleichzeitig verändert sich die Informationsvermittlung stark. Grosse Plattformen und Algorithmen bestimmen zunehmend, welche Inhalte Aufmerksamkeit erhalten. Auch darauf müssen wir Antworten finden.
Welche Rolle soll pr suisse dabei übernehmen?
Wir sollten die Relevanz unseres Berufs verdeutlichen und zeigen, welchen Beitrag professionelle Kommunikation für Unternehmen und Organisationen leisten kann. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass unsere Arbeit sichtbar, wirksam und nachhaltig ist. Um dies zu erreichen, braucht es Qualität und Weiterbildung.
pr suisse soll als Dachverband eine starke Stimme für die Branche sein, Orientierung geben und die Regionalgesellschaften miteinander verbinden.
Welche Kompetenzen werden PR-Schaffende künftig besonders benötigen?
Das fachliche Grundlagenwissen bleibt zentral. Nur wer selbst über Wissen verfügt, kann Informationen richtig einordnen und die Möglichkeiten neuer Technologien sinnvoll nutzen.
Gleichzeitig wird ein breiter Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen immer wichtiger. Wir müssen verstehen, was ausserhalb unserer Organisationen geschieht, Zusammenhänge erkennen und unterschiedliche Themen miteinander verbinden. Dieses holistische Denken ist eine wichtige Grundlage unseres Berufs.
Wie kann der Verband für jüngere Kommunikationsfachleute attraktiver werden?
Wir brauchen Angebote, die gezielt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Wichtig ist auch eine Community, in der sich junge Kommunikationsfachleute vernetzen können. Und wir sollten diese Angebote nicht einfach für sie entwickeln, sondern gemeinsam mit ihnen. Zudem sollten wir vermitteln, wie kreativ und vielseitig unser Beruf ist. Darin liegt eine grosse Attraktivität.
Du besuchst derzeit die Regionalgesellschaften. Was wünschst du dir von ihnen?
Die bisherigen Gespräche waren sehr spannend und ich wurde überall sehr offen und positiv aufgenommen. Für mich ist wichtig, dass die Regionalgesellschaften in ihren Regionen stark und aktiv sind, sich aber gleichzeitig in den Gesamtverband einbringen. Wir sind gemeinsam stärker. Deshalb braucht es Austausch, Zusammenarbeit und Zusammenhalt über die Regionen hinweg.
Ein erheblicher Teil der Mitgliederbeiträge fliesst von den Regionalgesellschaften zu pr suisse. Vielen Mitgliedern ist aber der Mehrwert des Dachverbands nicht gross genug. Was möchtest Du konkret verbessern?
Ich sehe hier durchaus noch Potenzial. pr suisse soll der Branche auf nationaler Ebene eine starke Stimme geben und ihre Interessen nach aussen vertreten. Gleichzeitig wollen wir den Mitgliedern konkreten Mehrwert bieten – durch Informationen, Wissensvermittlung, Bildungsangebote und die Vernetzung über die Regionen hinweg. Diesen Mehrwert möchten wir künftig noch besser vermitteln.
Welche drei Themen möchtest du während deiner Amtszeit besonders voranbringen?
Relevanz, Qualität und Nachwuchs. Als Branche wollen wir an Bedeutung gewinnen und in der Öffentlichkeit präsenter sein. Beides ist eng mit der Qualität unserer Arbeit und unseren Bildungsangeboten verknüpft. Und beim Nachwuchs braucht es einen deutlichen Schritt nach vorne.
Welche Botschaft möchtest du unseren Mitgliedern mitgeben?
Unser Beruf ist unglaublich spannend und hat enormes Potenzial. Gleichzeitig neigen wir manchmal zum Understatement. Wir dürfen selbstbewusster auftreten und konsequenter zeigen, welchen Beitrag professionelle Kommunikation zum Erfolg von Unternehmen und Organisationen leistet.
Und worauf freust du dich persönlich am meisten?
Auf den Austausch mit Menschen. Im direkten Gespräch erfährt man, welche Anliegen die Menschen beschäftigen und welche Entwicklungen sie sehen. Deshalb sind mir auch die Besuche vor Ort sehr wichtig. Dass in unserem Verband so viele spannende Menschen zusammenkommen, macht für mich einen grossen Teil seines Potenzials aus.
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